Wahrheiten und Unwahrheiten über die Generation Y

Auch für mich gehört mein Laptop zum täglichen Leben. Typisch GenY?
Auch für mich gehört mein Laptop zum täglichen Leben. Typisch GenY?

Geht euch das auch manchmal so? Man ist schon fast dabei, etwas vorher geplantes zu tun und dann kommen einem ganz plötzlich Facebook, WhatsApp oder Blogposts anderer Blogger in die Quere. Bei mir waren es heute die letzteren Beiden. Nach dem Anklicken dieses recht positiven Artikels von Christine von Lilies Diary über unsere „Generation Y“ wurden mir plötzlich bei Facebook zig kontroverse Artikel unter anderem von Zeit Online vorgeschlagen. Dass Menschen anderer Generationen liebend gern über die „Jugend von heute“ schimpfen ist ja eigentlich nichts neues. Ärgern tut man (oder ich zumindest) mich immer wieder. Deswegen weiche ich mal leicht von meinem Blog-Kurs ab und schreibe euch heute mal lieber mal eine politische Kolumne.

Weichlich, manipulierbar, ohne Meinung, Disziplin und Durchsetzungskraft? Oder doch eher Revolutionäre der Arbeitswelt, Naturschützer und Weltverbesserer? Über die so genannte Generation y kursieren die verschiedensten Meinungen und Annahmen. Der soziologischen Definition nach umfasst der Begriff „Generation Y“ erst einmal alle, die sich ungefähr von 1990 bis 2010 im Teenager-Alter befanden (Quelle: Wikipedia, ein Zeichen für die „Generation Y“?). Doch wer sich diese Definition auch nur kurz mit Verstand anschaut, versteht von selbst, dass man für so einen großen Zeitraum, der so viele unterschiedliche Bewegungen hervorgebracht hat, wohl kaum einen einzigen Oberbegriff finden kann.

„Aber es stimmt doch wirklich, die Jugendlichen interessieren sich heutzutage für nichts mehr, können sich für nichts wirklich begeistern, hängen nur vor dem PC…“. So oder so ähnlich wird ständig von unserer „Generation Y“ gesprochen. Doch bevor ich darauf eingehe, was ich davon für richtig oder falsch halte, möchte ich ein Augenmerk darauf richten, was es über die „Generation X“ sagt. Diese bezeichnet die Menschen, die in den 60er, 70er und frühen 80er Jahren geboren sind (wieder Wikipedia, ich erfülle tatsächlich alle Klischees). Für diese Generation stand politisches Engagement im Vordergrund, aber auch radikale Lebenseinstellungen und fanatische Ansichten waren vergleichsweise anerkannt, wenn man sich beispielsweise den Beliebtheitsgrad der Roten Armee Fraktion zu dieser Zeit anschaut. Und nein, ich sage nicht, dass die ganze „Generation X“ aus RAF-Terroristen bestand. Aber linksextreme Bewegungen waren zu der Zeit nun einmal zweifellos ein wenig „en vogue“ wie es heute vielleicht die vegetarische oder vegane Ernährungsweise ist (ich bin übrigens selber Vegetarierin, wieder einmal typisch für die „Generation Y“). Aber noch einmal zu der Frage, was ihre Beschreibung unserer Generation über sie selbst aussagt: Sie meinen, die Nachfolgegenerationen müssten genau so sein wie sie, sie müssten ähnliche politische Ziele verwirklichen, mit allen Mitteln gegen die festgefahrenen Konventionen ankämpfen und klassische gesellschaftliche Theorien wie beispielsweise die von Marx lesen (habe ich übrigens auch, vielleicht bin ich doch kein ganz hoffnungsloser Klischee-Fall der „Generation Y“). Doch auch deren Vorgängergeneration („Generation W“?), konnte das Verhalten der „Jugend von damals“ nicht nachvollziehen. Ist es also etwas Besonderes, dass die „Generation X“ die „Generation Y“ zu ihrer Nachfolger-Generation formen möchte? Natürlich nicht!

Trotzdem möchte ich den einen oder anderen Punkt auflisten und meine Meinung dazu sagen:

Die Jugend von heute ist an nichts mehr interessiert, lernfaul und glaubt alles, was im Internet steht

Jein, natürlich kann man alles schnell und leicht im Internet recherchieren (siehe meine entlarvenden ständigen Wikipedia-Recherchen) und das ist auch gut so. Wo kann man denn sonst so viele und differenzierte Informationen bekommen wie im Internet? In einem Buch mit Sicherheit nicht. Dabei liest man erst einmal mehrere hundert Seiten, die aus der Sicht eines Autors geschrieben sind. Im Internet hingegen gibt es unzählige Artikel zu einem Thema, häufig sogar mit Kommentarfunktion (hier bei AbenteuerAndalusien habt ihr übrigens auch die Chance, euren Gedanken und Ansichten Gehör zu verschaffen). Je mehr unterschiedliche Meinungen man zu einem Thema liest, desto mehr wird das eigene Nachdenken und Abwägen der unterschiedlichen Argumentationen unterstützt. Außerdem ist das Internet viel effektiver und zielführender als beispielsweise ein Lexikon, welches jedem Stichwort häufig nur wenige Sätze widmet. Und welches Buch liefert einem schon innerhalb von Sekunden die passenden Antworten? Dadurch, dass Daten und Fakten so selbstverständlich, zuverlässig und schnell nachgeschaut werden können, wird häufig mehr über komplexere Zusammenhänge nachgedacht. Zu einem gewissen Grad sind wir also wirklich lernfaul, was bloßes Auswendiglernen angeht (man kann es ja einfach schnell auf dem Smartphone nachschauen), aber keineswegs denkfaul. Das ist für mich ein großer Unterschied.

Die Jugend von heute kennt keine Umgangsformen

Einen Verfall des höflichen Umgangs miteinander lässt sich leider zweifellos beobachten. Unbewusst kommt mir dazu direkt ein Vorfall in einer Pizzeria in den Sinn. Diese hatte einen Tag vor der Geschäftsaufgabe alles um fünfzig Prozent reduziert. Dementsprechend war der Besucher-Andrang natürlich riesig. Mit dabei war auch eine große Gruppe deutscher Rentner. Diese haben sich so schlecht benommen und die Kellner offen persönlich beleidigt, dass die Besitzerin am Ende fast den Tränen nah war. Selten habe ich mich so geschämt, Deutsche zu sein. Was ich damit sagen will ist, dass dieser Verfall scheinbar nicht auf unsere Generation beschränkt ist und freundliches Benehmen im Alltag durch die Bank weg eine immer geringere Bedeutung bekommt.

Die Jugend von heute ist faul und will nicht arbeiten

Besonders dieser Aussage widerspreche ich vehement. Fakt ist, dass sich heute weit mehr Menschen Gedanken über ein glückliches, erfülltes, sinnreiches und ökologisch verantwortliches Leben machen als noch vor ein paar Jahren. Fakt ist auch, dass immer mehr Menschen anders leben und arbeiten wollen als der klassische 9 bis 5- Alltag es zulässt. Das hat aber nichts mit Faulheit zu tun. Im Gegenteil. Ich würde den Großteil „Generation Y“ aus meinem Bekanntenkreis, mich eingeschlossen, als verdammt ehrgeizig beschreiben. Dazu gehört aber nicht immer zwangsläufig, einen bestimmten Posten in der Hierarchie zu erreichen, sondern eher alternative Lebens- und Arbeitsformen zu schaffen.

So, aus der kurzen Kolumne ist jetzt doch eine etwas längere geworden. Was meint ihr (egal ob GenX oder GenY)? Ist Wikipedia eine Quelle geistigen Verfalls oder doch eher eine praktische Möglichkeit der heutigen Zeit? Sind wir faule Träumer oder doch eher Weltverbesserer?

 

2 Kommentare


  1. Auch schon die Generation X war arbeitsscheu und hatte keine Manieren. Das fanden zumindest meine Grosseltern. Insofern unterschiedet sie sich nicht so sehr von der Generation Y.

    Ein sehr schönes Zitat kommt mir in den Sinn, dessen Urheber ich leider nicht mehr weiss: „Wer mit 20 kein Revolutionär ist, hat kein Herz. Wer es mit 40 noch ist, keinen Verstand.“

    Im Verlaufe unsere Lebens durchlaufen wir bestimmte Phasen. Und zu dem Zeitpunkt, ab dem wir überhaupt auf die nachfolgende Generation blicken können, sind wir bereits in einer anderen Phase.

    Daher überraschen mich die oft etwas abwertenden Betrachtungen der älteren Generation nicht so sehr.

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    1. abenteuerandalusien abenteuerandalusien

      Hi Oli,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Du hast völlig Recht, jede Generation hat ihre eigenen Ansichten und Ziele und tut sich teilweise etwas schwer damit, die anderen zu verstehen. Auch für uns ist es ja schließlich nicht immer leicht, die älteren Generationen zu verstehen. Deswegen finde ich es wichtig, dass Vertreter jeder Altersgruppe ihre Beiträge leisten und versuchen, ihre Weltsicht den Anderen etwas näher zu bringen. Das Zitat gefällt mir :).

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