Warum ihr so lange nichts mehr von mir gehört habt und was ich in der ganzen Zeit so getrieben habe

Manch einer wird sich fragen, was die letzten Monate mit mir los war, andere wissen es natürlich auch schon. Ich habe mich geografisch mal wieder verändert, mein Abenteuer Andalusien ist vorbei, doch weder mein Reisedurst ist damit komplett gestillt, noch habe ich meine Liebe zu Andalusien verloren. Manches Mal ist es mir schwer gefallen, einen neuen Post zu schreiben, da ich mich noch zu gut und zu positiv an meine geniale Zeit erinnere. Dies ist der eine Grund, warum hier in der letzten Zeit nur so wenig (man kann es ehrlicherweise auch ‚gar nichts‘ nennen) aufgetaucht ist.

Doch natürlich habe ich objektiv betrachtet keinen wirklichen Grund, mich zu beklagen. Denn ein weiterer, noch wichtiger Grund für meine fehlende Aktivität hier bei Abenteuer Andalusien ist, dass ich mich an ein neues Abenteuer gewagt habe, mein Abenteuer Südamerika, genauer gesagt Abenteuer Argentinien. Diese Zeilen verfasse ich gerade an einem grauen Regentag in Buenos Aires in einem süßen französischen Café in meinem Wohnviertel, in das ich mich zurückgezogen habe, um ein bisschen produktiver arbeiten zu können und dem Scheißwetter zu entfliehen.

Doch eins nach dem anderen. Was ist in den letzten Monaten passiert?

Dezember: Bis November habe noch bei den Costa del Sol Nachrichten gearbeitet. Danach fiel es mir wirklich sehr schwer, wieder in Richtung Deutschland aufzubrechen und ich habe daher meine Heimreise um ganze 23 Tage herausgezögert und dafür genutzt, Europa ein wenig besser kennen zu lernen. Die ersten acht Tage bin ich noch in Spanien kleben geblieben und habe Zwischenstopps in Valencia, Madrid und Barcelona eingelegt. Auch auf den Fahrten habe ich noch einige Perlen abgeklappert, eine besonders lohnenswerte ist zum Beispiel Cuenca in der Nähe von Madrid. In der bergigen Kleinstadt kann man sich von dem Fluss, der einmal quer hindurchfließt und der außergewöhnlichen Architektur der hängenden Häuser beeindrucken lassen. Danach ging es für mich nach Montpellier im Languedoc Roussillon und später in die Alpen. Letzteres war für mich ein großes Highlight, vielleicht sogar meine Lieblingsstation gesamten Reise. In Grenoble lebte ich in einer wunderbaren WG mit super sympathischen Mädels, konnte das beeindruckende Panorama und den ersten geschmackvollen und schönen Weihnachtsmarkt genießen (Barcelona war zum Beispiel mit blinkenden blauen Rentieren gepflastert, na ja, wer es mag…). Weiter ging es dann nach Italien, zuerst nach Turin und später nach Venedig. Beide Städte konnten mich irgendwie nach Spanien und Frankreich nicht so ganz fesseln. Im Anschluss daran ging es für mich in das letzte Land vor Deutschland, Österreich. Das zauberhafte weihnachtliche Salzburg zog mich sofort in seinen Bann mit den kleinen Gässchen, gefühlten 3000 Weihnachtsmärkten und dem beeindruckenden Schloss. Danach verbrachte ich ein paar Tage in Innsbruck, wo mir mein Couchsurfing Gastgeber Nico ausführlich die Vorzüge eines Studiums in der Hauptstadt Tirols darlegte (und ich bin immer noch nicht ganz abgeneigt, man denke nur an Skipisten fast direkt im Ort, obwohl sich meine Pistenaktivität bisher auf die blauen Modelle beschränkt, und an die Nähe zum Gardasee). Zum Schluss kam ich mit meiner Mutter nach fünf Monaten in München wieder zusammen und wir legten erst einmal einen Frauen-Wellness-Tag in der gigantischen Therme in Erding ein. Zum Schluss klapperten wir noch den Nürnberger Christkindelmarkt ab, auf dem wir ehrlich gesagt beide eine Alternative zu Bratwürsten vermissten. Gerade rechtzeitig haben wir es dann noch geschafft, Weihnachten wieder zu Hause zu sein.

Hier könnt ihr einen kleinen Eindruck von meiner Fahrt bekommen

Januar bis Mitte März: Die Zeit nach Silvester hätte ich gerne aus meinem Kalender gestrichen. Jeder erzählt einem, wie es ist, sich erst einmal an eine neue Kultur zu gewöhnen, aber kaum jemand versteht einen, wenn einem nach beinahe fünfmonatiger Abstinenz der vermeintlich eigene Alltag plötzlich fremd ist. Doch genau dies war plötzlich der Fall. Nachdem über die Feiertage alle Freunde und Familienmitglieder verfügbar waren und die Wiedersehensfreude überwog, dominierte in den grauen Monaten am Anfang des Jahres vor allem die Sehnsucht nach dem Süden. Hinzu kommt, dass ich diese Monate schon unter normalen Umständen am liebsten aus meinem Kalender streichen würde, da ich mich unter 20 Grad (auch die sind teilweise grenzwertig) einfach nicht sehr wohl fühle. Wie gerne wäre ich da wieder an meine Sonnenküste zurückgekehrt. Mehr als einmal ertappte ich mich auf Momondo, Skyscanner und Co. Hinzu kam, dass ich in Deutschland keine Arbeit und keinen geregelten Alltag hatte und es mir generell schwer fällt, um nicht zu sagen es mir unmöglich ist, tagelang nichts zu tun. Doch das wirkte sich, wie ich mir im Nachhinein eingestehen muss, eher positiv aus. Denn ich begann aktiv damit, mir meine Arbeit zu suchen und zwar keine Zeitarbeit in einer Fabrik oder einen Kellnerjob, sondern ich begann damit, freiberuflich als Journalistin zu arbeiten.

Es war auch nicht so als hätte ich nichts, auf das ich mich freuen könnte. Denn für den 13. März war bereits mein Flug nach Buenos Aires gebucht. Je näher der Termin rückte, desto stärker stieg die Spannung. Wie werde ich einen 15-stündigen Flug überstehen? Werde ich ohne Probleme einreisen können? Kann ich mich an das Leben auf einem anderen Kontinent gewöhnen? Diese und viele weitere geisterten in meinem Kopf herum, auch wenn ich auf die Frage, ob ich denn schon nervös sei, immer betont gelassen reagierte und meinte, ich hätte ja ohnehin bereits in einem fremden Land gelebt.

Mein Abenteuer Argentinien

Ich weiß, dass das Thema eigentlich nicht zum Blog passt, aber ehrlich gesagt ist mir das gerade total egal. Ich erzähle euch einfach, was in den letzten Monaten so passiert ist.

Der Flug: Meine „Entspannung“ hielt bis zum Abreisetag an, um möglichst viel zu schlafen, ging ich am Morgen ohne Frühstück eine große Runde joggen und verabschiedete mich schweren Herzens von Freunden und Familie. Doch als ich dann plötzlich durch die Sicherheitskontrolle im Flughafen ging, war ich plötzlich ALLEINE. Als ich meinen Gürtel auf das sich bewegende Sicherheitsband legen musste, zitterten meine Finger und meine Box ist schon fast an mir vorbei gefahren. Als ich dieses Hindernis gemeistert hatte, schaute ich alle paar Sekunden auf die Uhr, um ja nicht meinen Flug nach London zu verpassen. Aber alles verlief reibungslos, wenn man von dem uralten und ungereinigten Flieger nach England absah. In Heathrow war ich völlig überfordert mit der englischen Hektik. Warum ein Shop auf Selbstscannen umstellt, wenn zwei Verkäufer beobachten, wie ich meine Packung Kaugummis und mein Wasser scanne (Wert ca. 3 Pfund), kann ich nicht wirklich nachvollziehen.

Danach hatte ich immer noch 1,5 Stunden Zeit, genug um noch ein bisschen zu schreiben, dachte ich. Wenige Minuten später wurde mein Flug bereits zum ersten Mal ausgerufen und ich machte mich hektisch auf den Weg zum Gate. Gefühlte 10 Kilometer und drei Bahnstationen später konnte ich auch für meinen Anschlussflug einchecken. Dass ich eine der letzten Personen war, die an Bord gegangen ist, muss ich wahrscheinlich nicht extra hinzufügen. Dann ging es endlich in die Luft und der entspannte Teil der Reise begann. Nach dem Flugzeugdinner genehmigte ich mir einen Mini-Rotwein und schlief tief und selig beim ersten Film ein, den ich ansah. Am nächsten Tag wachte ich ruhig ausgeschlafen um 12 Uhr deutscher Zeit (8 Uhr Buenos Aires) auf, wie praktisch. Nachdem ich mit der gestammelten Bemerkung, ich würde 90 Tage in Argentinien backpacken wollen und bei einer Freundin unterkommen, hätte aber noch keinen Rückflug, weil ich spontane Reisen mag (wie blöd kann man sein, so etwas zum Einreise-Beamten zu sagen und trotzdem bin ich ohne Probleme durchgekommen!) durch die Migracion gelaufen bin, wurde ich schon von Martina, einer Bekannten von einer Arbeitskollegin aus Spanien, die in Buenos Aires wohnt, in Empfang genommen. Wir haben uns auf Anhieb sehr gut verstanden und ich bin abends sogar mit ihr und ihren Freunden noch einen Trinken gegangen, man muss ja den Jetlag von Anfang an verhindern, auch es für mich vier Stunden später war.

Der restliche März: Doch allzu lange habe ich es in Buenos Aires gar nicht ausgehalten. Nach ganzen fünf Tagen in der Hauptstadt, habe ich bereits meinen neu erstandenen Deuter Rucksack gepackt und bin in den Süden abgehauen. Nach einer 20-stündigen Busfahrt habe ich dann auch San Carlos de Bariloche, meist einfach Bariloche genannt, erreicht. Der Ort gilt als perfekter Ausgangspunkt für das patagonische Seengebiet, das neben wunderschönen Gewässern auch eindrucksvolle Naturparks und Berge bietet. Dort hatte ich das Glück, in einem Hostel mit einem der schönsten Blicke der Stadt zu wohnen, in einem Hochhaus fast direkt „über“ dem Nahuel Huapi-See.

Meine ersten Tage verbrachte ich hier vor allem damit, etwas ungeplant mit dem öffentlichen Bus die wunderschöne Umgebung abzufahren. Das absolute Highlight auf dieser Tour ist zweifellos der Berg Cerro Campanario, von dem aus man das wunderschöne Seengebiet betrachten kann. Ein paar Tage später habe ich mich dann mit meiner lieben Freundin Lea getroffen, die momentan in Chile lebt und wir konnten ein paar tolle Tage zusammen verbringen.

Im Anschluss daran ging es für mich weiter zum Hippie-Ort El Bolson, wo ich in einem Eco-Hostel wohnte. Hier unternahm ich eine wunderbare Kanu-Tour, auf der wir einen See umrundeten und die ganze Zeit über nur zwei Menschen außerhalb der Gruppe begegneten. Ein wirklich besonderes Erlebnis!

Danach ging es für mich ans Meer, genauer gesagt an die patagonische Atlantikküste. Vorher wusste ich über die Gegend so gut wie gar nichts, weil ich das Dorf San Julian eher als Zwischenstation auf dem Weg von Bariloche nach El Calafate ausgesucht habe. Hier merkte ich zum ersten Mal auf meiner Reise, was das Wort Nebensaison wirklich bedeutet. Im Ort, der berühmt für eine vorgelagerte Insel ist, auf der Pinguine leben, war ich beinahe die einzige Touristin. Natürlich wurde auch besagte Insel nicht mehr angesteuert und der einzige Pinguin, den ich zu Gesicht bekam, war ein toter am Strand. Doch trotzdem war die Station nicht wertlos. Ich wurde endgültig vom Mate-Virus infiziert, trank in jedem Laden mindestens eine Kanne mit Besitzern und anderen Kunden und freundete mich mit dem Mitarbeiter der Touristen-Information an. Mit ihm stehe ich bis heute in Kontakt.

Meine nächste Station war das perfekte Kontrastprogramm zum ruhigen und freundlichen San Julian. Denn es ging nach El Calafate und zum Perito Moreno Gletscher. Dieses Naturwunder bestaunte ich bei einem furchtbaren Schneeregenschauer mit einem Australier, den ich im Bus kennen gelernt habe. Danach ging es noch nach El Chalten. Dieser Ort hat mich wirklich umgehauen, kaum Internet, kein funktionierender Geldautomat, aber dafür unbeschreibliche Natur, die man ganz einfach eigenständig erkunden konnte. Doch schon einen Tag später ging mein Rückflug nach Buenos Aires und mein Patagonien-Trip war beendet.

Patagonien

April bis jetzt: Nach meiner Rückkehr nach Buenos Aires habe ich endgültig damit begonnen, wofür ich eigentlich nach Argentinien gekommen bin. Der Grund ist wieder einmal ein Praktikum bei einer deutschsprachigen Zeitung. Da das Argentinische Tageblatt eine überregionale Wochenzeitung ist, unterscheiden sich meine Aufgaben stark von denen bei meinem Praktikum in Andalusien. Hier verwende ich mehr Agenturmeldungen und der Fokus liegt stärker auf überregionalen Themen. Das ist auf jeden Fall eine ganz anderes Arbeiten und eine neue Erfahrung.

Die erste Zeit musste ich in der Stadt privat erst einmal viele organisatorische Tätigkeiten erledigen. Als erstes stand dafür die Suche nach einer passenden WG an, gar nicht so einfach in einer internationalen Großstadt wie Buenos Aires, wo die Regierung zu allem Überfluss auch noch Richtlinien geschaffen hat, um Kurzzeitmieten zu erschweren. Schlussendlich habe ich mich mit dem Preisniveau hier angefreundet und ein großes und vor allem ruhig gelegenes Zimmer (was nicht selbstverständlich ist, wer den Verkehr in der Stadt kennt, weiß, wovon ich rede) gefunden und das auch noch im schönen Viertel Belgrano, meine kleine Oase im Stadtdschungel. Auch ins Trend- und Weggeh-Viertel Palermo gelange ich in zehn Minuten mit dem Bus oder in einer Joggingrunde. Besonders praktisch ist die Lage, da sich meine Arbeit nur zehn Blöcke entfernt befindet.

Hier genieße ich nun schon seit zwei Monaten das Leben in einer der größten Hauptstädte (und wahrscheinlich auch eine der schönsten!) der Welt. In dieser Zeit habe ich mich erst dreimal hier heraus bewegt, einmal ins beschauliche Rosario im Norden, einmal nach Uruguay und einmal nach Mendoza in der zentralen Anden-Region.

Nun wisst ihr relativ genau, was ich so getrieben habe, warum ich nicht so viel geschrieben habe und was ich so erlebt habe.

In den nächsten Monaten wird sich entscheiden, wie es bei mir endgültig weiter geht, ich kann dir schon so viel sagen: Andalusien steht weiterhin hoch im Kurs bei mir, obwohl ich noch keine endgültige Entscheidung getroffen habe. Ich werde dich aber weiter auf dem Laufenden halten, wie es mit dem Blog weiter geht, mit meinen beruflichen Aktivitäten und meiner Reise. Du kannst gespannt sein. Wenn du gerne immer auf dem neuesten Stand bleiben möchtest, abonniere mich doch bei Facebook.

Natürlich will ich euch mein Buenos Aires auch nicht vorenthalten.
Natürlich will ich euch mein Buenos Aires auch nicht vorenthalten.

Hat dir der Überblick gefallen? Hast du noch Fragen zu meinen einzelnen Stationen oder interessierst du dich auch für eine große Reise? Dann leg los! Ich freue mich über jeden Kommentar.

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